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Wir brauchen Landschaft !?

Ausstellungskonzeption a-real

Mein Ziel ist die Entwicklung der  Raumkonzeption a-real, eine Zusammenschau der Spielarten und Stereotypen von Landschaft, wie sie in der heutigen Zeit verwendet wird. Ausgangspunkt bilden dabei die Arbeitsreihe ‘L1 - L5’ und die Schweizer Serie ‘Von Natur aus gut - Schweizer Impressionen 1 - 5’  -  Abbilder direkt aus der Werbung entnommener ‘Landschaften’.

 

Ich sehe meine Arbeit als Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Landschaftsmalerei, bzw. mit dem, was davon noch übrig zu sein scheint.

 

Landschafts(ab)bilder waren immer Ergebnis einer ästhetischen Aneignung von Natur, und  boten im traditionellen Rahmen die Möglichkeit zur Flucht aus dem Diesseits, dienten als Dekorationssysteme für die Figurenmalerei oder als Mittel zum Ausdruck symbolischer Bezüge. Doch das Landschaftsmodell des Garten Eden wurde schon lange abgelöst und über die Gattung der Landschaftsmalerei hat sich bis in die heutige Zeit ein aufgeblähtes Theoriekonstrukt gelegt.

 

Die traditionelle Gattung findet ihre neue Verwendung als Stereotyp, Landschaft tritt in der heutigen Zeit als Zeichen auf, das immer noch Werte transportiert, doch steht dieser ‘Naturbegriff der Zeit’ ganz im Gegensatz zur traditionellen Ausformung. In der Werbung wird Landschaft zum Garant für Natürlichkeit, Frische, gesundes Lebensgefühl, Urkraft, Tradition und guten Wert der Ware ...- und damit der Naturbegriff letztenendes dekonstruiert: reduziert auf Kitsch und altmodisches Heimatgesäusel.

 

Doch der Bedarf an Landschaft ist groß, denn in der gesteigerten technisierten Welt braucht der Mensch einen Ausgleich: der Verlust von Naturerfahrung durch Generierung virtueller Welten erzeugt Seh(n)süchte, den Wunsch nach Aktivierung und/oder Beruhigung der Sinne und der Lust durch Natur, um sich wenigstens  temporär von modernen Errungenschaften zu entfernen. Via Zappen und Surfen werden Massen von Bildern nach Hause geholt.

Um den Bogen wieder zu meiner Arbeit zu spannen: 

In der Verbindung dieser verschiedenen Sprachen und Darstellungsformen, beispielsweise die des Verpackungsdesigns wie:

- naive Flußlandschaften, friedlich ,rein, unberührt, intakt ...   oder 

- Gebirgspanoramen, entlegen und extrem, unmoderne archaische Orte, in denen nichts  geschieht und nichts anderes präsent ist als die Urkraft der Natur, Zeitlosigkeit, Einsamkeit...

sehe ich augenzwinkernd eine Möglichkeit, mir über den ‘Naturbegriff’ der Zeit ein Bild zu machen und zu einer neuen Auseinandersetzung anzuregen.

 

Als Weiterführung der oben genannten Serien sollen, ausgehend von eigenem Fotomaterial (‘Landschaftsfotografie’), die Prinzipien, die Sprach- und Darstellungsformen der Werbung, des Webdesign,...  wieder zur Kunst, zur Landschaftsmalerei zurückgeführt werden: Spielarten des Realismus, computergeneriert, digitalisiert, stereotyp, naiv, skizzenhaft, comicartig, verkürzt...Im Sinne der Möglichkeiten der Photoshop-Manipulation sollen heterogene Elemente und Sprachformen auf einem Bildträger zusammentreffen und vereint werden. Dies ist Grundlage meiner neuesten Arbeitsserie, die sich momentan im Entstehen befindet.

 

Zusammenfassend:

Seh(n)süchte werden in eine entstörte schöne Landschaft transferiert, eine gebaute, manipulierte Welt, die nichts anderes vorgibt, als reine Landschaftsmalerei zu sein, dadurch jedoch absolut artifiziell wirkt. 

Dort sehe ich die ‘Natur’ als Ort des Geschehens - im Sinne einer künstlerischen Strategie, so daß auf visueller Ebene ironisch alltägliche Banalität und Prozesse der Dekonstruktion von Natur erforscht und Ordnungsstrukturen einer Vorstellung von Wirklichkeit abgebildet werden.

 

Das Gesamtvolumen der Arbeiten beträgt 28 -30 Bilder, wovon 15 große Bilder sind, die über 2 Meter Kantenlänge hinausgehen. 

Zwischen Kunst und Werbung

Zu den Landschaftsbildern von Nadja Ziller

von Peter Herbstreuth

Landschaftsmalerei war immer schon eine Bildphantasie über die Natur. In ihr konnten sich Idealisierungen über die Welt manifestieren. Daher ihre anhaltende Anziehung, die mittlerweile Werbe-Designer für Naturprodukte und Tourismus massenmedial kultivieren. Aber das Faszinosum der Entdeckung von Landschaft in der Natur besteht bis heute darin, dass der Blick in die Natur als Bild stillgestellter Dauer wahrgenommen werden kann. Es fordert vom Betrachter nicht mehr, als er zu geben bereit ist. Denn es ist ein halbes Jahrtausend her, seit erfindungsreiche Augen die Natur zum Bild geordnet haben. Heute sind sie zur zweiten Natur geworden. Jeder Ansichtskartenkäufer weiß, dass Natur- oder Stadtlandschaften Idealisierungen darstellen und wählt entsprechend aus.

 

BLÖDE BILDER, TOLLE ERFAHRUNG. Durch solche Popularisierung in der Bildproduktion können Künstler nicht mehr umstandslos Landschaften malen, falls sie einen Beitrag zur Kunst leisten wollen. Sie müssen es nicht nur mit einer traditionsschweren Bildgattung aufnehmen, sondern auch neben der Werbeindustrie bestehen. Was manche Künstler zu solcher Herkulesarbeit reizt, liegt wohl darin, dass sie aus eigener Erfahrung die stille unaussprechliche Anschauung kennen, in der die Empfindung interesselosen Wohlgefallens sich erfüllt. Oft ist es ein Gefühl der Stimmigkeit von Sehen und Fühlen irgendwo außerhalb der Welt, die nur im Moment subjektiven Erlebens wahr erscheint, nicht aber das Bild davon. Dazu hat die Überproduktion des Genres durch die Werbeindustrie ebenso beigetragen wie die von Dürer, Giorgione, Brueghel initialisierte Überproduktion der Landschaftsmalerei seit dem frühen 16. Jahrhundert. Da tauchte der Begriff ?landschafft? und ?landschafftmahler? auch bei Dürer erstmals auf. Heute gilt ?Landschaftsmaler? als Anachronismus.

 

ALSO THEMATISIEREN. Die Faszination am Kulturphänomen Landschaft bei gleichzeitigem Zweifel an einer glaubwürdigen Darstellung wird durch Theorien verstärkt, die Landschaft als Motiv für ästhetisch unverbindlich, moralisch verwerflich, kulturpolitisch dumm, ökologisch naiv halten. Künstler können sich immer auf ihre wahre Empfindung berufen und sich in die Tradition Turners und Cézannes begeben oder wie Nadja Ziller den populären Bildbestand der Produktwerbung als erste Natur annehmen und Landschaft als reflexive Kategorie thematisieren. Das setzt voraus, dass Landschaft als bereits vielfältig vermittelte Konstruktion dargestellt wird, die mit dem Bild- und Kulturwissen der Gegenwart kurzgeschlossen werden kann. Ist dies der Fall, reagiert der Blick unmittelbar und der Betrachter kann sogleich ergründen, woran es lag.

 

ÜBERSTEIGERN. Ziller bevorzugt einen leicht erhöhten Blick auf Landschaft. Er kann von einem Spaziergänger ohne technische Hilfsmittel wie Fernglas oder Kamera nicht eingenommen werden. Kein Bild zeigt den Blick in eine Natur, die den Spaziergänger mit aufragenden Felsen und hohen Bäumen umgäbe wie es Frühromantiker durch ihre Erfahrung beim Durchqueren der Alpen in Mode brachten. Wer den Standpunkt einnimmt, um in Zillers Landschaften zu schauen, befindet sich auf einer Anhöhe, einem Aussichtsturm oder in einem Flugzeug und schaut mit einsamem und erhabenem Blick hinaus in die stets menschenleere Weite.

 

VERFREMDEN UND BEJAHEN. Aus der Inkongruenz von Stand- und Blickpunkt resultiert Spannung. Der Betrachter auf dem Boden der Ausstellungshalle sieht Landschaft, wie er sie leicht erhöht mit bloßem Auge ohne Hilfsmittel niemals sehen kann. Da diese Verrückung von Zoom-Fotografien bekannt ist, wirkt der maschinengestützte Blick auf gemalte Landschaft als leichte, doch spürbare Abweichung, von der man zunächst nicht weiß, woher sie rührt. Denn gegenwärtig ist der einheitliche Raumeindruck, der sich Zillers dreiteiligem Bildgefüge verdankt. Über einen grünbetonten Vordergrund von Wiesen mit See fügt sie einen weißbetonten Mittelgrund von schneebedeckten Bergen, die in eine neutrale Fläche ragen. Meist stoßen die Kanten des Gefüges so übergangslos hart aneinander, als handle es sich um tektonische Brüche autonomer Landmassen. Ziller entschied sich für dominante Horizontalen, die das Dreiergrundschema strukturieren und vermied die Suggestion einer dynamischen Blickführung, die sich durch diagonale Strukturierung einstellen würde. Daraus ergibt sich die Konstruktion einer dem Blick unterworfenen und auf Distanz gehaltenen Suggestion von Natur als technisches Reproduktionsphänomen: Landschaft als Erscheinung gefahrloser Ferne. Wer in ihre Landschaften schaut, fühlt sich unbeteiligt, unangreifbar, der Wirklichkeit enthoben.

 

RESULTAT: ZWITTER. Der Himmel bleibt eine Leerstelle. Die Gebirgsmassen stoßen an eine betont unbetonte glatte Fläche. Zillers Bilder sind umgeben von Werbegraphik im Atelier entstanden. Werbung für Milchprodukte, Honig, Schokolade ist die kollektive Leistung eines Teams. Ziller überträgt das stilisierte Zeichengefüge mit Pinselstrichen und subjektiviert die Massenbilder in Unikate. Man steht vor einem Zwitter aus Image und Gemälde. Das Kunststück besteht darin, aus der Sachlichkeit und Prägnanz der Landschaftslogos, die oft nicht größer als ein Button sind, einen Raum der Anschauung zu machen. Der Himmel kann warten.

... früher war es der bravo-Starschnitt! ...

ewigwährendflüchtig    

(THEMA GESELLSCHAFTER AWARD: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?)

In Zeiten sozialer Umwälzungen, emotionaler Unsicherheit oder nationaler Krisen entsteht ein starkes Bedürfnis nach Helden, ob diese dann die Krise abwenden, steht auf einem anderen Blatt. Der Begriff Held indes wird heute kaum noch genutzt. 

 

Heldische Fähigkeiten sind alter Tradition und Mythologie nach körperlicher Art, wie Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer, oder auch geistiger Natur in Form von Mut, Gerechtigkeitssinn, Durchsetzungsvermögen oder Cleverness. Sie ermöglichen jene herausragenden einzigartigen Taten des Helden, die den Fokus der anderen auf ihn lenken und ihm Heldenruhm bescheren. Heldentaten sind nachahmenswert, bündeln die Aufmerksamkeit, führen zu Identifikation ganzer Teile der Gesellschaft und setzen Zeichen für die Zukunft.

 

Die heutige Heldenverehrung zeigt sich jetzt vermehrt als Starkult, sie wird gelenkt, durch die Medien inszeniert. Helden werden gemacht. Die oft abgöttische jugendliche  Schwärmerei für sie weicht zwar bei Erwachsenen häufig einer etwas abgeklärteren Bewunderung oder Wertschätzung, trotzdem ist es nicht von der Hand zu weisen, dass wir uns alle an solchen Vorbildern orientieren. 

Diese manchmal voyeurhafte Bewunderung für Stars erzeugt ein gemeinschaftliches Identitätsgefühl und spiegelt Bedürfnisse der Gesellschaft. Früher war es der Bravo-Starschnitt, wen würden Sie sich heute als Idol an die Wand hängen?

 

Einer zeitgenössischen Idolatrie folgend zeige ich eine Zusammenstellung von Porträts. Diese funktionieren nicht in gewohnter Porträtmanier: sie setzen ungewohnt an der Grenze der realen Person an, zeigen deren Überhöhung als Kunstfigur. Mensch, Figur, Inszenierung, persönliche Erfahrung, verklärte Erinnerung und projizierte Emotionen vermischen sich, vergrößern Bild und Aura.

 

Meine (persönlichen) Helden sind als ‚Typen’ moderne Ikonen. Medienerzeugnisse. 

Sie haben ein außergewöhnliches Maß an Popularität erreicht, sind den meisten Menschen vor allem des westlichen Kulturkreises bekannt und somit Identifizierungs- und Projektionsflächen für viele Menschen unterschiedlichen Alters. Sie vereinen Charisma, Durchsetzungsfähigkeit, Kompromisslosigkeit, sind zuweilen humorvolle, lakonische Einzelgänger, teilweise Antihelden, die für mich Weg begleitend Teil meiner Entwicklung geworden sind. 

Erst in der Rückschau erkenne ich, wie prägend sie waren, für mich und die Generationen der 70er, 80er, 90er. Derer Zitate und Gesten haben sich in die Köpfe gebrannt und finden sich oft unbemerkt in unserem Alltag wieder. Sie  zaubern Lächeln auf Gesichter, setzen Erinnerungen frei. 

 

Der Betrachter wird dabei vor ein vertracktes Konstrukt gestellt: Es handelt sich bei diesen Porträts um Zeichnungen basierend auf überarbeiteten Fotos von beispielsweise Schauspielern in Filmrollen, die wiederum symbolisch die Ideen des Filmes und auch des Regisseurs mittransportieren, der gleichfalls wiederum ein Stück Gesellschaft porträtiert. Helden geschaffen durch Film und Medien. Musiker, die sich in Kunstfiguren verwandelt haben. 

 

Heldenruhm, eine Frage der Anschauung und gesellschaftlichen Inszenierung? 

Einem alten Sprichwort zu Folge ist heute ein Wetter zum Helden zeugen…

Wen backen wir uns, damit es uns besser geht?

Die Ordnung der Dinge

1 Jorges Luis Borges, zitiert in Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge; suhrkamp, Frankfurt/Main 1995, S.17

Ein weiterer Bestandteil meiner Arbeit ist das Spiel mit Ordnungs- und Bezugssystemen, bzw. der dabei vom Verstand zu leistenden Ordnungsarbeit, die unterlaufen wird, indem es innerhalb der Ordnungen zu Unmöglichkeiten kommt oder diese sich selbst korrumpieren.

 

Einen geistigen Vater finde ich hier in Foucault, der in seinem Vorwort zu „Die Ordnung der Dinge“ auf einen Text von Borges verweist, „Das Eine und die Vielen (Du Même et de l'Autre)“, der „'eine gewisse chinesische Enzyklopädie' zitiert, in der es heißt, dass die Tiere sich wie folgt gruppieren:

 

a) Tiere, die dem Kaiser gehören,

b) einbalsamierte Tiere,

c) gezähmte,

d) Milchschweine,

e) Sirenen,

f) Fabeltiere,

g) herrenlose Hunde

h) in diese Gruppierung gehörige,

i) die sich wie Tolle gebärden,

j) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind

k) und so weiter,

l) die den Wasserkrug zerbrochen haben,

m) die von weitem wie Fliegen aussehen.“ 1

 

Eine großartige Taxonomie, die das Denken tief erschüttert und uns an seine Grenzen stossen lässt - nicht durch die Aufzählung an sich, sondern weil die Ordnungsarbeit nicht geleistet werden kann, da der Ort, an dem diese Tiere zusammentreffen, nicht existent ist, beziehungsweise sich selbst zerstört.

Die Konzeption 'Ma'

das Dazwischen

Die Konzeption Ma entstammt der japanischen Ästhetik und  ist , seitdem sie mir begegnet, der Grundpfeiler meiner Arbeit. Es handelt sich um ein Prinzip, das überall gegenwärtig, doch kaum greifbar ist, das Intervalle zwischen Raum und Zeit beschreibt und verschiedene, sich oft widersprechende Zustände eingehen kann:

 

Ma beinhaltet

 

a) sowohl den Raum zwischen vier Wänden,

b) den Abstand zwischen zwei Punkten,

c) als auch die Zeit der Bewegung von einem Ort zum anderen,

d) die genaue Zeitspanne des Vergehens,

e) die Brücke, welche die Welt teilt,

f) die absolute Dunkelheit,

g) den Ort, an dem kami (shinto-Gottheit) herabsteigt,

h) eine Aneinanderreihung von Zeichen,

i) der genaue Zeitpunkt der Bewegung, an dem kami in ein Objekt eintritt und dieses beseelt,

j) die Leere,

k) den exakten Punkt des Augenblicks,

m) die Lücke zwischen Ort und Zeit,

n) die Pause zwischen zwei Tönen.

 
'Settings'

Konzeption

Die aus Japan stammende ästhetische Konzeption Ma ist der Grundpfeiler meiner Arbeit, ein Prinzip, das überall gegenwärtig, doch kaum greifbar ist, das Intervalle zwischen Raum und Zeit beschreibt und verschiedene, sich oft widersprechende Zustände eingehen kann.

 

Ein weiterer Bestandteil sind Ordnungs- und Bezugssysteme, die dem Bild einen Rahmen geben, indem sie einen Ortsbezug schaffen, wie zum Bespiel wiederkehrende bekannte Motive und Alltagsgegenstände, oder die einen Rhythmus oder ein Raster kreieren, z.B. durch Reihungen oder Muster. 

 

In meinen Arbeiten versuche ich collage-artig eine Gleichzeitigkeit herzustellen von Alltagsfacetten mit konkreten Ortsbezügen, Logos, Landschaftselementen und Erinnerungsfragmenten, Dinge, die eine persönliche Bedeutung, einen Zeitbezug bzw. eine Ereigniskoppelung für mich haben. 

 

Momente, Zeitfenster, Örtlichkeiten, Bezugssysteme und Leerstellen - bewusst leere Stellen, die eine Projektionsfläche schaffen - existieren dann in Form von ‚Blasen‘ oder ‚kleinen Welten’ nebeneinander und treten zwangsläufig in Verbindung zueinander, auch übereinander und kommunizieren miteinander. Gleichzeitig wird die vom Verstand zu leistende Ordnungsarbeit unterlaufen, indem es innerhalb der Ordnungen zu Unmöglichkeiten kommt, da diese sich selbst korrumpieren oder ins Leere laufen. 

 

Ich arbeite dabei gerne mit ähnlichen Motiven und Wiederholungen, auch im Selbstzitat, indem ich Darstellungsweisen aufgreife, mit denen ich bereits gearbeitet habe. Meine Inspiration finde ich dabei in eigenen Fotografien, Postkarten, Zeitschriften, der Werbung und Dingen, die ich schon immer mal Zeichnen wollte.

 

Als Technik verwende ich meist Tusche / Bleistift / Guache auf Zeichenpapier oder Acryl in Verbindung mit Tusche und allerlei experimentellen Techniken auf Nessel. In Wandarbeiten finden sich neben eigenen Zeichnungen und Grafikelementen auch Postkarten, Ausschnitte oder Fundstücke.

Konstellationen + Segmente

Konzeption

Im weitesten Sinne betrachtet, behandeln die Arbeiten das Thema Raum.

Bei den früheren Arbeiten wird das Bild - ausgehend von einem Arrangement von Dingen im Raum - über Farbflächen aufgebaut. Ein Gegeneinander von  kalt-warm, hell-dunkel, transparent-dicht, usw...läßt den Eindruck von räumlichen Zusammenhängen entstehen, die jedoch durch ständiges  Befragen und Überarbeiten von Form, Farbe und Fläche wieder negiert werden. Diese Ungenauigkeiten führen zu einer Verschachtelung von Ebenen,  räumliche Klarheit und Unklarheit existieren nebeneinander, in der die Dinge als dem Betrachter vertraute Gegenstände Orientierungspunkte schaffen, doch gleichzeitig die Sehkonvention stören. Der illusionistische Bildraum wird gebrochen, da die Grenzen von innen und außen verschwimmen.

 

In den neueren Arbeiten wird das Raumthema radikalisiert. Anstelle der vielfachen Schichtung tritt eine Vereinfachung im Umgang mit der Fläche: einzelne Elemente werden aus ihrem Verbund befreit und einzeln auf der teilweise ungrundierten Leinwand angebracht. Sie stehen mehr oder weniger zufällig nebeneinander und treten zwangsläufig miteinander in Beziehung, da sie sich auf demselben Bildträger befinden. Es treffen sozusagen ‘Welten’ aufeinander, die durch ihr Zusammensein Raum entstehen lassen.

 

Die Dinge des Alltags bilden wiederum Orientierungspunkte; sie sind persönlich besetzt, dem Betrachter vertraut und schaffen einen Bezug zum eigenen persönlichen Erfahrungsraum.

Gleichzeitig bilden sie den Ausgangspunkt in der Entschlüsselung des Bildbestandes.

Dieser setzt sich zusammen aus Teilen unterschiedlicher  Genre der Kunstgeschichte: Stilleben, Landschaftsmalerei, Zeichnung, informeller Gestus.... allesamt konventionelle Bildbestandteile, die hier abweichend vom traditionellen Bildaufbau nebeneinandergesetzt werden und so zu einem Konflikt  zwischen Innen- und Außenperspektive führen. Es existieren verschiedene Standpunkte, mehrere Ansatzmöglichkeiten; die Bildfläche wird zu einem Assoziationsraum, der sich vexierspielartig aufklappt, die einzelnen Elemente bekommen Symbolcharakter.

 

Dies wird unterstützt durch den Einsatz der unterschiedlichen Ausdrucks- und Erscheinungs-

formen von Malerei bzw. von malerischen Arbeitsprozessen durch die Fähigkeit der Farbe, sowohl Transparenz, Oberfläche, Bewegung, Stillstand, Materialität , Energie etc. auszudrücken - ebenso durch die Verwendung unterschiedlicher Materialitäten, z.B. Acryl, Folien, Druckgrafik, sowie Zitate aus der Kunstgeschichte, die collageartig miteinander in Verbindung treten.

 

So entsteht ein ästhetisches Zusammensein verschiedener Darstellungsformen auf dem Bildträger,  die einzelnen Fragmente sind nicht nur räumlich sondern auch stilistisch voneinander getrennt. Die dazwischenstehende leere Fläche gewährt keine Möglichkeit der Eingrenzung, sie schafft Offenheit nach allen Seiten und bildet somit Frei- und Projektionsfläche für einen Übergang zwischen den ‘Welten’.

Blasen

der Flüchtigkeit folgend

Auf den ersten Blick stark im Gegensatz zur Helden-Serie stehend sind die beiden doch verwandter, als es zunächst den Anschein hat.

Auf demselben Format finden sich hier Landschaftsdarstellungen, beispielsweise Bergansichten wie das Matterhorn, die sich aufzublähen scheinen, sich aufzulösen drohen oder implodieren. Auch hier zerfallen die Motive in kleine Tuscheflecken und -striche.

Motive, die sich schon eine Zeit lang in meinen Arbeiten wiederfinden, die für mich Großes repräsentieren, einen Impakt haben, das Ewige, Freiheit, Ehrfurcht, Mächtigkeit, auch Kitsch und gleichzeitig Flüchtiges, ein eingefangener Moment in Form eines Gedankens, eine Idee gefangen in einer Blase, ein Ton, der schon verhallt, eine Situation, die sich nicht in die Realität einfügen lässt und scheinbar in einer anderen Zeit stattfindet, eine kleine Atempause.

Während in der Helden-Serie die großen Rollen, Ruhm, Glanz , Sexappeal und gutes Aussehen die Hauptrolle spielen und dies gewissermaßen konserviert und an der Oberfläche gehalten wird, sind es in der Blasen-Serie die kleinen, leisen Momente, die dafür an großen Orten stattfinden und dennoch Pathos transportieren.

 

Dieser Kontrast zwischen flüchtig und ewiglich mächtig erzeugt eine Widersprüchlichkeit, die tiefer geht.

 
 
 

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